Die Schweriner Volkszeitung berichtet über die Kochfamilie

Brandenburger Köche wollen dem oft verschmähten Fisch zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen

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 von Hanno Taufenbach
15. November 2019, 05:00 Uhr
Schweriner Volkszeitung

Sie wollen nicht dem heimischen Zander, sondern auch Delikatessen wie Calamari und Schwertfisch Konkurrenz machen. Mit dem Karpfen. Fischliebhaber dürften bei diesen Worten ins Grübeln kommen, falls sie das Thema nicht sofort als Karnevalsgag ansehen. Aber der Brandenburger Kochfamilie ist es ernst damit, wie ein Besuch auf dem 4. Pro agro Genussabend am Mittwoch in Berlin zeigt.

Vielleicht darf es ja gebratenes Karpfenfilet an lauwarmen Speckkartoffelsalat mit frittierten Kapern sein. Oder Kochklops vom Brandenburger Karpfen mit einem Weißbier-Kapernschaum an Rote Beete-Kartoffelstampf. Wer Bernd Norkeweit lauscht, muss schnellen Worten folgen und greift selbst ohne jegliches Hungergefühl zu den gereichten Häppchen.

Er selbst sei ja gar kein Koch, aber Sprecher der Köche und er spricht gut über die Kochfamilie. „Wir sind kein Verein, eine echte Familie, in der es nur Männer gibt“, sagt er. Nun könnte man nach der Frauenquote fragen oder die Genderdebatte sehr modern denken: Eine Familie nur aus Männern? „Ja, wir sind alle ein bisschen verrückt“, legt Norkeweit nach und ruft Ralf Achilles herbei.

Achilles ist Chefkoch und Inhaber des Restaurants Schönblick in Woltersdorf bei Berlin. Er hat für den Genussabend Karpfenfilet geräuchert, serviert ihn unter anderem in Aspik oder auf kleinen Kartoffelrösti. „Wir sprechen nicht über Karpfen blau. Den will keiner wirklich“, meint er. Die Idee des Brandenburger Bierkarpfens habe schon einige Tage gebraucht, musste sozusagen erst richtig gar werden. „Einfach war das nicht“, gesteht Achilles. Doch jetzt sei es gelungen, eine an sich schon regional orientierte Küche noch regionaler zu machen, denn die Kochfamilie arbeitet mit den Brandenburger Bierbrauern zusammen.

27 Kleinbrauer gibt es im Land. Die Zahl der Karpfenteiche habe noch niemand wirklich gezählt, aber es dürfte wohl keine Region gänzlich ohne heimischen Fisch geben. Für die Kochfamilie sei das eine wunderbare Basis für eine Zusammenarbeit. Entstanden sind mittlerweile zehn Karpfenrezepte. In einem nächsten Schritt sollen regionale Supermärkte gewonnen werden, die solche Karpfendelikatessen mit in ihr Angebot aufnehmen, sagt Bernd Norkeweit.

Vertreter zweier Handelsketten nahmen am Genussabend teil, konnten sich von der Qualität des Bierkarpfens überzeugen. Pro agro freut sich in jedem Fall über das neue Angebot. Schließlich soll der Genussabend Erzeuger, Köche, Touristiker zusammenbringen. „Wir sind der Vernetzer des ländlichen Raums“, sagte Vorstandsvorsitzende Hanka Mittelstädt.

Was der ländliche Raum zu bieten hat und was Spitzenköche daraus zaubern, davon konnten sich die rund 100 Gäste überzeugen. Markus Schulze von Lokal genial reichte Rinderherzen mit Wurzelgemüse in einer Nudelteigtasche. Jens Beiler vom Wohnstubenrestaurant Zickengang bei Brandenburg an der Havel steuerte Golzower Rehragout mit Fläminger Bohnenknödel bei. Das Dessert unter dem Namen „Symphonie der Sinne“ kitzelte den Gaumen. Komponiert hat es René Klinkmüller, von der gleichnamigen Konditorei. Klinkmüller war Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft der Köche und ist ein international gefragter Dozent. Produkte, Köche und Erzeuger aus der Prignitz waren an dem Abend nicht dabei.– Quelle: https://www.svz.de/26353402 ©2019

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